Wasser ist ungleich verteilt

   
 

Regen und andere Niederschläge fallen zeitlich und regional ungleichmässig. Gewisse Gebiete der Erde erhalten regelmässig enorme Mengen (pazifische Inseln, Cherrapunji in Indien oder Indonesien). Immer wieder auch werden Gebiete überflutet. In Trockengebieten wie der Sahara gibt es kaum Niederschlag. Sogar innerhalb der Schweiz variiert der Jahresniederschlag regional stark: So regnet es im mittleren Rhonetal durchschnittlich knapp 600 mm, während die Jungfrauregion bis 4000 mm Niederschlag abkriegt.

 
Wasserverfügbarkeit
Situation in Indien
Situation in Israel
Situation in Nordafrika
und im Jahr 2025?
 

Mass für Wasserverfügbarkeit
Die erneuerbare Wassermenge pro Person und Jahr wird häufig als Mass der Wasserverfügbarkeit verwendet:

 Land
Wasserverfügbarkeit 1990
 Schweiz
 6520 m3
 Algerien
 770 m3
 Saudi-Arabien
 160 m3

In Länder mit erneuerbaren Wassermengen von unter 1700 m3 herrscht bereits Wasserknappheit. Unter 1000 m3 besteht eigentlicher Wassermangel.

Indien
Fast alle Oberflächengewässer werden für Bewässerungszwecke genutzt. Es kann nur noch auf eine beschränkte Menge Grundwasser zurückgegriffen werden. Nimmt die Bevölkerung bis ins Jahr 2025 weiterhin zu, so steigt auch der Bewässerungsbedarf, der Wasserbedarf dürfte sich fast verdoppeln. Im 2025 dürften auch die verfügbaren Grundwässerreserven ausgenutzt sein. Die Interessenskonflikte zwischen industrialisierten Städten und der Landwirtschaft, welche den Grossteil des Wassers für die Nahrungsmittelproduktion braucht, werden sich verschärfen.

Israel
Israel steht jährlich ein Süsswasservolumen von 2.2 km3 zur Verfügung, das entspricht etwa 450 m3 pro Person und Jahr. Israel entwickelte sorgsame Bewässerungssysteme, die Mikro- und Tröpfchenbewässerung. In der Früchte- und Gemüseproduktion wiederverwertet Israel kommunale Abwässer aus der Landwirtschaft. Der restliche Wassermangel wird durch den Nahrungsmittelimport ausgeglichen: Getreide, Sojabohnen und Fleisch. Die importierten landwirtschaftlichen Güter erhöhen somit den jährlichen Wasserverbrauch von 450 m3 auf 1080 m3 pro Person.

 

Blauer Planet - und doch Wassermangel?
Mengenmässiger Wassermangel steht in engem Zusammenhang mit der Wasserqualität. In vielen Fällen führen Flüsse oder Seen ausreichend Wasser - doch werden Sie von den Haushalten, der Industrie und Städten stark verschmutzt und unbrauchbar gemacht. Arme Beölkerungsschichten müssen mit dem Schmutzwasser leben, während Wohlhabende sich den Zugang zu aufbereitetem Trinkwasser leisten können. Gegenwärtig hat rund ein Viertel der Bevölkerung keinen Zugang zu qualitativ akzeptablem Wasser. Die schlechte Wasserqualität verschärft oft die bestehende Wasserknappheit.

Nordafrika
Die Verfügbarkeit des Wassers wird in den nächsten Jahren in Nordafrika deutlich zurückgehen. Die Hauptwasserquellen Ägyptens liegen ausserhalb des Landes und des direkten Einflussgebietes. Ohne griffige Massnahmen stellt die Auswanderung für viele die einzige Möglichkeit dar, der Wasserknappheit zu entkommen. Die Menschen können nur gegen Norden flüchten, im Süden liegt die Sahara, im Osten die arabische Wüste und im Westen der atlantische Ozean. Es muss im Interesse der europäischen Staaten liegen, gemeinsam mit den nordafrikanischen Staaten nach Lösungen des Wasserproblems zu suchen.


 

Geschätzte Wasserverfügbarkeit einiger Länder im Jahr 2025

 Land
Wasserverfügbarkeit 2025
 Burundi
 280 m3
 Äthiopien
 980 m3
 Kenia
 190 m3
 Nigeria
 1000 m3
 Ruanda
 350 m3
 Südafrika
 790 m3
 Somalia
 610 m3
 Tansania
 900 m3
 Haiti
 960 m3
 Peru
 980 m3

In Länder mit erneuerbaren Wassermengen von unter 1700 m3 herrscht bereits Wasserknappheit. Unter 1000 m3 besteht eigentlicher Wassermangel. In vielen Ländern wird das verfügbare Wasser immer knapper.

Seen und Flüsse aber auch Grundwasservorkommen halten sich nicht an Staatsgrenzen. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt an Seen und Flüssen, die sich mindestens zwei Staaten teilen. Wird das Wasser knapp, kann das zu Konflikten führen. Zwar wurden in den letzten 60 Jahren zirka 300 internationale Vereinbarungen über die gemeinsame Wassernutzung geschlossen. Demgegenüber stehen allerdings 37 zwischenstaatliche Konflikte, die ihre Ursache in der ungeregelten Nutzung grenzübergreifender Wasservorkommen haben. Die weltweit rund 265 grenzüberschreitenden Gewässersysteme bergen also ein konkretes Konfliktpotenzial. 

 

 
weiterführende Literatur: Jahresbericht EAWAG 1997
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