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Die Wiege der Kultur
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Urgeschichte
bis Römerzeit
Die ältesten Überreste von Wasserversorgungen im Gebiet der
heutigen Schweiz stammen aus der Bronzezeit: eine kistenförmige Zisterne
aus Lärchenholz (15./16. Jahrhundert v.Chr.) in Savognin sowie eine
Quellwasserfassung aus dem 13./14. Jahrhundert v.Chr. in St. Moritz Bad. Unter römischer Herrschaft (1. Jahrhundert v.Chr. bis 5. Jahrhundert n.Chr.) wurden die in der griechischen und römischen Antike hoch entwickelten Wasserleitungstechniken auch nördlich der Alpen eingeführt. Städtische Infrastrukturen zur Wasserversorgung wie auch zur Entsorgung von Abwasser gab es z.B. in Aventicum (heutiges Avenches) oder Colonia Iulia Equestris (Nyon). In den Strassenkörpern sind vor allem Kalkrückstände als Überreste von Deucheln (zwecks Wasserführung ausgebohrte Baumstämme) erhalten. Die Feinverteilung in Gebäude und auf Laufbrunnen geschah über Rohrleitungen aus Blei, Holz oder Ton. Die Unterstadt von Augusta Raurica bezog ihr Wasser dagegen hauptsächlich aus Sodbrunnen.
Das älteste Bauwerk zur Wasserversorgung in der Schweiz, das seinen
ursprünglichen Zweck noch erfüllt, ist die römische Wasserleitung
von Hausen bei Brugg nach Vindonissa (Windisch). Sie ist in der Stiftungsurkunde
des Klosters Königsfelden von 1368 erwähnt und versorgte bis
1898 Ortsteile von Windisch mit Trinkwasser. Heute speist sie lediglich
einen Springbrunnen.
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römische Trinkwasserleitung, ein so genanntes Aquädukt, aus Elvas, Portugal
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Mittelalter
und frühe Neuzeit
Klosterarchitekten pflegten antike Techniken der Wasserversorgung weiter. Bei der archäologischen Untersuchung des Dominikanerklosters in Zürich (1990) kam eine Tonröhrenleitung zum Vorschein, die in einen Mörtelguss eingepackt war (2. Viertel 13. Jahrhundert). Die Wasserversorgung von Burgen musste auch im Belagerungsfall funktionieren. Deshalb überwiegen Sodbrunnen und Regenwasserzisternen.
In der Stadt stützte sich die Wasserversorgung auf Grundwasser (Sod- oder Ziehbrunnen), natürliche Gewässer und Quellwasserleitungen (Deuchel). In Basel existierten zudem Lochbrunnen, d.h. Quellfassungen innerhalb des Mauerrings. Das Limmatwasser wurde in Zürich mit von der Strömung angetriebenen Schöpfrädern gehoben, welche 1382 erweitert wurden. Frühe, mit Wasserkraft betriebene Pumpwerke ("Wasserkünste") gab es in Zürich (1505-97 Kloster Oetenbach, 1667-1869 Schipfe-Lindenhof) und in Genf (1708). Für die Versorgung der Städte mit Brauch- und Wirtschaftswasser wurden Kanalnetze ("Stadtbäche") erstellt, z.B. in Bern, Winterthur, Aarau und La Neuveville.
Die Wasserversorgung war bereits im Mittelalter eine kommunale Aufgabe.
Renward Cysat beschreibt, wie in Luzern eine Nachbarschaft eine private
Wasserversorgung erstellte, für die jedoch eine Konzession des Rats
nötig war und die nachträglich dem städtischen Brunnenmeister
unterstellt wurde.
Nur wenige Privilegierte durften öffentliche Leitungen für die
Versorgung des eigenen Hauses anzapfen. Wassertragen war Arbeit von Frauen
und Dienstboten. Schmutz verursachende Arbeiten mussten an Nebenbrunnen,
den so genannten "Sudeltrögen", verrichtet werden. Das
Recht, saubere Brunnenabwässer ableiten zu dürfen, wurde in
Basel und Zug an Gastwirte und andere Privatleute verkauft.
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mittelalt. Schöpfbrunnen

Wer Brunnen verunreinigte, wurde im Mittelarter hart bestraft. Der Vorwurf
der Brunnenvergiftung löste im 14. und 15. Jahrhundert Gewaltakte
gegen Juden und Aussätzige aus.
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Neuzeit
Schweizer Städte führten in den letzten vier Jahrzehnten des
19. Jahrhunderts die als Netzwerk konzipierte zentrale Wasserversorgung
ein, deren Leitungen nunmehr unter Druck standen. Betrieben wurden diese
Anlagen von Gemeinden, Privatunternehmen oder Korporationen. Innovationsfördernd
wirkte die Angst vor Feuersbrünsten. Kantonale Feuerversicherungen
begannen, den Ausbau von Wasserversorgungen zu subventionieren.
Bis zur Entdeckung der Krankheitserreger (1883 Cholera, 1906 Typhus) schenkte
die Wissenschaft dem Wasser als Infektionsweg wenig Aufmerksamkeit. Der
Genuss von klarem und geschmacklich einwandfreiem Trinkwasser galt als
ungefährlich. Dadurch blieben Stadtsanierungen oft nur Symptombekämpfung
(z.B. Beseitigung von Geruchsimmissionen). Ausserdem wurden erst durch
die Vernetzung der Wasserversorgungen Krankheitskeime breit gestreut.
Anschluss der Privathaushalte
Die Integration der "Nasszelle" in die Wohnungen erfolgte schrittweise.
Zunächst wurden die Grundstücke an das Wassernetz angeschlossen,
danach Leitungen in die Küchen geführt. Private sanitäre
Einrichtungen wie Toiletten, Badezimmer und Duschen verbreiteten sich
in den Städten erst um die Wende zum 20. Jahrhundert, im ländlichen
Raum oft erst nach dem 2. Weltkrieg.
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Im Mittelalter wurden hölzerne Wasserleitungen gebohrt, die so genannten
Deuchel.
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Hygienische
Revolution Die hygienische Revolution liess den Wasserkonsum prompt steigen. Der tägliche mittlere Wasserverbrauch stieg in der Nachkriegszeit gegen 500 Liter pro Einwohner (inkl. Industrie und Gewerbe). Heute beträgt er in der Schweiz noch rund 350 Liter - insbesondere Sparanstrengungen der Industrie liessen den Wasserverbrauch in der Schweiz seit den Achtzigerjahren stetig sinken.
Die Verwendung des Trinkwassers in Schweizer Haushaltungen widerspiegelt
die Lebensgewohnheiten. Der steigende Wasserbedarf in den Vierzigerjahren liess sich nur durch Ausbau der Seewasserwerke und durch intensive Nutzung der Grundwasserströme decken. Das Seewasser spielt vor allem für die Bevölkerung grösserer Agglomerationen eine wichtige Rolle. Für die Reinigung von See- und Flusswasser mussten wegen der Verschlechterung der Umweltbedingungen laufend neue Reinigungsstufen eingeschaltet werden. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde Trinkwasser in der Schweiz mit Chlorzugaben entkeimt. In der modernen Trinkwasseraufbereitung kommen heute Aktivkohlefilter, UV-Strahlen, Sandfilter und neu auch Membrantechnik zum Einsatz.
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 In der Schweiz sind heute fast 100% der Haushaltungen ans Trinkwassernetz angeschlossen
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